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Bürger
lassen Kästner - Museum wachsen
(Dresdner Neueste Nachrichten,
30.November 2000)
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Kleiner
Dresdner Junge auf der Gartenmauer
Nach viereinhalb Monaten schon über 4000 Besucher
im Kästner-Museum
Das hätte
sich der kleine Junge auf der Gartenmauer am Albertplatz nicht träumen
lassen. Gleich hinter der Plastik, die dem jungen Erich Kästner an
seinem Lieblingsplatz zeigt, ist das weltweit erste mobile "Interaktive
Kleinmuseum" zu Ehren des weltbekannten Dresdner Schriftstellers
in seiner Heimatstadt entstanden. Kästner wäre davon sicher
begeistert.
Vor allem weil hier auf dem ehemaligen Grundstück seines Onkels in
der neuerbauten "Villa Augustin" ein moderner, lebendiger Ort
der Erinnerung und der Begegnung wächst. Und weil das Projekt Dresdner
Bürger anschoben, die den "Förderverein für das Erich
Kästner Museum" e.V. gründeten. Sein zu Hause fand er im
Gebäude der sehr entgegenkommenden Deutschen Krankenversicherung
(DKV).
Ohne staatliche Mittel, dafür mit viel persönlichen Engagement,
ganzem Herzen und Sponsorenhilfe wurde das Museum zum 101. Geburtstag
Erich Kästners im Februar diesen Jahres eröffnet. Seitdem begrüßt
der Förderverein 4200 Besucher aus aller Welt, darunter 20 Schulklassen,
in dem als multimediale, begehbare "Schatzkiste" eingerichteten
Kleinmuseum.
Es gab hier bereits sehr gut besuchte Veranstaltungen der Seniorenakademie,
sieben Leseabende mit dem Dresdner Literaturbüro. In der Museumssommernacht
erlebten im Kästner-Museum 150 Zuhörer den Kabarettisten Theo
Richtsteiger und den Musiker Frank Fröhlich. In einer Begegnungsreihe
stellten sich bisher neun zeitgenössische Dresdner Autoren vor. Im
Juli und August folgen die Dichter Holger Oertel und Rosenlöcher.
Anzug, Hut und Schreibmaschine
Im maßgeschneiderten Museumsraum nach Entwürfen Ruairi O´
Brien sind bereits zahlreiche Schenkungen und Leihgaben zu sehen, wie
ein Anzug, Hut und Schreibmaschine Kästners, Bücher, Fotos und
Briefe. Zudem kann der Museumsgast dank der Firma Gigabell mit der Kästner-
Gemeinde weltweit übers Internet kommunizieren. "Das Museum
verknüpft Tradition und Moderne, virtuelle und reale Welten und Erlebnisse.
Dabei kann jeder Besucher spielerisch und interaktiv seinen eigenen Zugang
zu Leben und Werk Kästners finden", sagte O´ Brien gestern
bei einem Presserundgang durchs Museum. "Wir wollen kein Allerweltsmuseum,
wo der erste Babyschuh und die letzte Whiskeyflasche Kästners zu
sehen ist. Sondern wir versuchen Architektur, Kunst und Bildung mit dem
Werk Kästners zu verbunden", ergänzte Dieter Hoefer, Vorsitzender
des Fachbeirates im Kästner-Museum.
Je nach Zeit und Neugier können Kinder und Erwachsene das Innenleben
der frei im Raum beweglichen Säulen mit ihren Schubladen und Vitrinen
Schritt für Schritt erobern. Ab Herbst entwickelt O´ Brien
mit TU-Studenten den Prototyp eines virtuellen Museums. Mitte Oktober
sollen die ersten drei von 13 interaktiven Säulen stehen, die bei
den Deutschen Werkstätten Hellerau gefertigt werden - dort kaufte
Kästner einst seine Möbel. Weitere Sponsoren werden noch gesucht.
"Wir denken dabei vor allem an den Dresdner Mittelstand", hofft
Dieter Hoefer vom Förderverein auf Unterstützung.
Die Besucher des Kästner-Museums hätten bereits 3500 Mark gespendet.
Auch die Bürgerstiftung Dresden sammelte fleißig Geld für
das Museum.
Öffnungszeiten:
Sonntag bis Dienstag jeweils von 10-18 Uhr,
Mittwoch bis 20 Uhr.
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Dresdner
Neueste Nachrichten, 30. November 2000
Bürger
lassen Kästner-Museum wachsen
Erste vier Säulen von Sponsoren und Besuchern gespendet
Die Ausstattung des Erich-Kästner-Museums in der Villa Augustin wächst.
Zum Kern, eine Regalkonstruktion aus Holz , sind jetzt die ersten drei
Museumssäulen mit mehreren Schubfächern für
Ausstellungsstücke hinzugekommen. Die Kosten dafür haben
zwei Privatsponsoren und die Landesstelle für Museumswesen
in Chemnitz übernommen, sagt Andrea OBrien vom Vorstand
des
Museumsvereins. Jede dieser Säulen kostet rund 7500 Mark. Eine vierte
Säule soll zu Weihnachten aufgestellte werden. Sie ist aus Spenden
der rund 6000 Besucher bezahlt worden, die die
Ausstellung seit der Eröffnung am 23. Februar gesehen haben. Für
den Architekten Ruairi OBrien, der das Konzept des mobilen,
interaktiven Kleinmuseums entworfen hat, entspricht das genau
dem Anliegen: Wir realisieren damit bürgerschaftliches Engagement.
Baukastenartig soll das Kleinmuseum auf 13 Säulen anwachsen. Die
Schubkästen darin haben vier verschiedene Farben. Jede symbolisiert
einen inhaltlichen Schwerpunkt: Erich Kästner und Sachsen,
Kästner und die Medien, Kästner ein Mann zwischen den
Stühlen, Kästner und die Kinder.
Wir hoffen, dass wir spätestens bis Ende des kommenden Jahres
alle Säulen zusammen haben, sagt Andrea OBrien. Weiter
wachsen könne das Projekt indes nur, wenn das Interesse und die
Spendenfreudigkeit weiterhin so groß bleiben.
Zuletzt hat das Museum zahlreiche Schenkungen erhalten, darunter Kästner-Erstausgaben,
das Doppelte Lottchen als Album mit Sammelbildern sowie Fotos.
Wir suchen auch Objekte, die die
Zeit Kästners anschaulich machen, sagt Andrea OBrien.
Mit Falk Aichinger ist jetzt der Vertriebsdirektor Ost der Deutschen Krankenversicherung
(DKV) in den Museumsvorstand eingetreten. Das Unternehmen ist Eigentümer
der Villa Augustin und
stellt dem Museum die Räume zur Verfügung. Wir zeigen
damit noch deutlicher unsere Bereitschaft, das Museum zu unterstützen,
so Aichinger. Für Ruairi OBrien setzt das Museum damit ein
Signal, dass Kultur und Wirtschaft zusammengehören.
Nächste Veranstaltungen im Kästner-Museum sind die Vorstellung
des neuen Bildbandes Die Elbe morgen, 19.30 Uhr. Am 7. Dezember
gibt es einen Balladenabend mit einer Gruppe der
Seniorenakademie, am 9. Dezmeber Puppentheater für Kinder unter dem
Titel Der Froschkönig Die wahre Geschichte?. Zur
Nacht der Autoren lädt das Museum am 14. Dezember ein.
Die Veranstaltungen im kommenden Jahr wollen verschiedene Facetten eines
Kästnerbildes vermitteln und das Museum zugleich zu einem Ort der
Begegnung zwischen Fachwelt, Künstlern, Bürgern
und Institutionen machen. So ist im Januar eine Diskusiion zur Kästner-Rezeption
geplant. Mit Vorträgen und Lesungen soll im Februar des 102. Geburtstages
Kästners gedacht werden.
Tomas Gärtner
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