Information

Öffnungszeiten:


Sonntag - Freitag 10 - 18 Uhr
Donnerstag nur für angemeldete Gruppen und Schulklassen
Samstag geschlossen

Freitag 31. Oktober (Reformationstag) 10 - 18 Uhr geöffnet

Anfahrt und Adresse [hier]

Erich Kästner Museum Dresden

Das mobile interaktive micromuseum®

                                               

Seit seiner Eröffnung an Kästners 101.Geburtstag (23. Februar 2000) ist das Erich Kästner Museum in der Villa Augustin ansässig. Es zeigt den weltbekannten Kinderbuchautor, Gebrauchslyriker, Journalisten und Medienmann Erich Kästner als exemplarischen Autor des 20. Jahrhunderts. Korrespondierend mit der fassadenlosen Bausteinstruktur der Museumsarchitektur wird nicht ein vorgefertigtes Bild Erich Kästners, sondern es werden verschiedene Facetten von Leben und Werk vermittelt.

Kästner gehört zu den unglücklichen Schriftstellern der Moderne. Er verbirgt sich –in Leben und Werk– in immer neuen Entwürfen eines "anderen Ich"; in der "Maske" aber verschwindet das "Gesicht". Sein Leben endete in Resignation, die letzten Jahre sind von einer Schaffenskrise überschattet. Diese Situation ist keine biografische Zufälligkeit, sondern sie resultiert aus dem Wandel des medialen Ortes und dem Verlust an politisch-gesellschaftlicher Repräsentativität von Literatur. Kästner hat diese Wandlungsprozesse nicht nur beobachtet, sondern er hat sie aktiv gestaltet und auch exemplarisch erleiden müssen.

Das neuartige Museumskonzept bietet hierzu bei bewusst geringem Ressourcenverbrauch ein Höchstmaß an spannenden Informationen auf Sichtbarkeits- und Vertiefungsebenen, mit denen sich Besucher aller Generationen spielerisch die komplexe Kästner-Welt erobern können. Angeboten wird eine Methodik der Informationsvermittlung, die auf selbst bestimmtes informelles Entdecken, auf eine Neukontextualisierung der Museumsgegenstände und des eigenen Wissens setzt. Staunen, Spaß, Verstehen, Autonomie und Zeit, das möchte dieses Museum seinen Gästen schenken.

„In diesem Museum ist jeden Tag Ausstellungsbeginn – und zwar deshalb, weil nicht zwei Besucher das gleiche Museum besuchen. Das Museum entsteht beim Besuch. Der Besucher gestaltet es. Damit er es gültig gestalten kann, helfen ihm die Museumsmacher. Sie haben allerhand ausgewählt, präpariert, vorbereitet. Aber das Tor zur Erkenntnis (die Schublade zu Kästners Leben) muss der Betrachter alleine öffnen. Was er findet und wie er es findet, das hängt von ihm ab. Aber dass er etwas findet, was ihn herausfordert, dafür haben die Museumsmacher gesorgt.“

(Prof. Dr. Volker Ladenthin, Institut für Erziehungswissenschaften der Universität Bonn)

Im Museumskern, der mit Multimediatechnik (PC mit Internetzugang, TV, Video, CD, MC) ausgerüstet ist, wird anhand weniger, ausgewählter Originale ein pointierter Blick auf Kästners Persönlichkeit und werksgeschichtliche Höhepunkten geworfen.  Die virtuelle Datenbank wird kontinuierlich erweitert. In 12 der insgesamt 13 Säulen werden entsprechend der inhaltlichen Grundkonzeption anhand miteinander korrespondierender Exponate zum Anfassen (Fotos, Briefe, Urkunden, Theaterprogramme etc.) folgende thematische Schwerpunkte gesetzt:

·         "Erich Kästner, ein Deutscher aus Sachsen: Biographie und Heimat" (grün)

Es werden Exponate von den literarischen Anfängen in Leipzig und Dresden bis zur autobiografischen Reflexion ausgestellt. Auch die Rezeption in Sachsen und der DDR gehört zu diesem Themenbereich.

·      "...der Mann zwischen den Stühlen. Kästner – ein Außenseiter wider Willen" (rot)

Erschlossen werden soll hier der Moralist und Gesellschaftskritiker Erich Kästner. Wo gehört er hin? In Leben und Werk selbst ein Verfechter bürgerlicher Werte, will er kein Außenseiter sein; aber die "anderen" – ob "die Gesellschaft" oder andere Menschen – besetzen zumeist die Rolle von Gegnern. Dies betrifft die Zensur im Dritten Reich, die Unterdrückung seines Werkes ebenso wie seine Beziehung zu ausgewählten anderen – etwa den Frauen.

·      "Sie müssen wieder wie Kinder werden... Kästners Utopie" (gelb)

Der dritte Schwerpunkt lautet: Kinder. Die Kinder sind die positiv anderen in Kästners Werk, die seine Rolle als "Moralist", die ihn – den Außenseiter – dann doch als den eigentlichen "Innenseiter" rechtfertigen. Hier geht es um Kinderliteratur, -film, -theater, aber ebenso um die Werkkategorie des "Kindlichen".                                                                             

·       "Kästner und die Medien" (blau)

Dieser Schwerpunkt ist dem Autor zwischen den Medien gewidmet. Er rekonstruiert Kästners "Modernität" und Geschick in der Nutzung der Printmedien, des Rundfunks aber auch der klassischen visuellen Medien – vor allem des Films, des Theaters und des Kabaretts.

Die 13. Säule beinhaltet neben einer multimedialen Ausrüstung Originale (Brief und Bleistift), die ein auratisches Bild Kästners zeigen und, wie der Museumsbau selbst, die einzelnen Facetten zu einer Ganzheitlichkeit zusammenschließen.

Das architektonische Konzept

Welche Aufgaben, welche Ziele, welches Potential zur Selbsterneuerung hat die Institution Museum angesichts der einschneidenden Veränderungen im neuen Jahrhundert? Wie kann sie zukunftsfähig bleiben angesichts von Globalisierung, Ressourcenknappheit, drängenden kulturellen Identitätsfragen, von außerschulischen generationsübergreifenden Bildungsanforderungen und neuesten wahrnehmungspsychologischen Erkenntnissen?

Diesen Fragen hat sich der Gründer des Erich Kästner Museums, Ruairí O’Brien, bewusst gestellt und daraus einen weltweit singulären Museumstyp entwickelt. Das mobile interaktive micromuseum® bildet eine Schnittstelle zwischen Architektur, Kunst, Skulptur, Gebrauchsgegenstand und wissenschaftlichem Arbeitsinstrument. Nicht nur der Kurator, insbesondere der Museumsarchitekt sollte heute ein „Wissenschaftskünstler“ sein, der die Exposition ihrem Wesen entsprechend auf ergonomische, ästhetische und didaktisch bestmögliche Weise baulich widerspiegelt und prägt. Eine intelligente, wachstumsfähige Museumsarchitektur ist in der Lage, die vermeintlichen Gegensätze unserer Zeit – Geschwindigkeit/Langsamkeit, virtuelle/reale Welt, Perfektion/Unvollständigkeit, Masse/auf optimale Reduktion orientierte Technologie, Tradition/Zukunftsfähigkeit, kulturelles Erbe/Erlebnisgesellschaft, Globalität/lokale Identität, um nur einiges zu nennen – miteinander zu verbinden.

Durch die ressourcensparende mikroarchitektonische Implantation wurde nicht nur authentische alte Bausubstanz, sondern zugleich ein wichtiges städtebauliches Areal inmitten der Dresdner Neustadt neu belebt und erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Diese lebendige Denkmalpflege erfüllt den Anspruch, Historisches zu bewahren und in die Gegenwart und Zukunft zu transportieren, indem sie die vorhandene Identität (alter Baukörper) zur Entfaltung bringt und in Einklang mit dem Neuen (aktueller Inhalt und Funktionalität) setzt. Die Museumsstruktur ist ein neuartiges Haus im Haus, das gleichzeitig in dem denkmalgeschützten realen Haus der alten Welt, der Villa Augustin, und dem virtuellen "Globalhouse" ein Zuhause gefunden hat.

Der einzelne Besucher ist dazu eingeladen, ganz nach Lust und Laune und individuellem Tempo die lebensgroßen Museumsbausteine zu entdecken und "dahinter zu schauen", sich in einzelne Objekte zu vertiefen. Jeder dieser Bausteine ist ein selbständiges Objekt, das gemeinsam mit den übrigen Elementen wiederum ein autarkes Ganzes bildet (13+1=15).

Am Computer-Arbeitsplatz gelangt der Besucher aus dem sinnlich erfahrbaren in den virtuellen Globalraum, der eine ständig wachsende, einmalige Datenbank zu Leben, Werk und Werkrezeption Erich Kästners sowie die Kommunikationsmöglichkeit mit der Kästner-Gemeinde weltweit anbietet. Durch den langsamen physikalischen Öffnungsprozess wird ein Ausgleich zur Geschwindigkeit der Neuen Medienwelt geschaffen. Das sparsame Gesamtkunstwerk wurde nach dem Bausteinprinzip entworfen und in Entsprechung in mehreren Etappen – je nach vorhandenen Geldmitteln und Inhalten – gefertigt bzw. gefüllt. Es ist ein wachsendes "sich selbst erneuerndes Museum", das auf die Besucherbedürfnisse reagieren kann. 

 

 

 

Loading...